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» 1. Was für eine Sprache ist Chinesisch überhaupt?

» 2. Warum sollen moderne Europäer Chinesisch lernen?

» 3. Seit wann gibt es Chinesisch als Fremdsprache?

» 4. Wo kann man Chinesisch lernen?

» 5. Wieviel Menschen lernen Chinesisch?

» 6. Wer kann die chinesische Sprache erlernen?

» 7. Wie wird Chinesisch heute gelehrt und gelernt?

» 8. Welche Inhalte werden im Unterricht vermittelt?


1. Was für eine Sprache ist Chinesisch überhaupt?


Chinesisch wird von 1,2 Milliarden Menschen gesprochen, d.h. also von einem Fünftel der Menschheit. Es ist damit die meistgesprochene Muttersprache der Welt. Das gilt auch, wenn man berücksichtigt, daß Chinesisch sich in mehrere sehr unterschiedliche Dialekte aufgliedert. Fast alle Chinesen sprechen jedoch die standardisierte Hochsprache oder Putonghua (früher auch als Mandarin bezeichnet). Sie benutzen eine gemeinsame Schrift, die eine Geschichte von 4000-5000 Jahren aufzuweisen hat und Träger der längsten ununterbrochenen Kultur- und Literaturtradition der Welt ist. Die chinesische Schrift wurde auch von anderen ostasiatischen Kulturen übernommen (Japan, Korea) und spielt im heutigen Modernisierungsprozeß Chinas eine immer wichtigere Rolle. Im Vergleich mit alphabetischen Schriftsystemen kostet ihre Beherrschung natürlich viel mehr Zeit und Mühe. Dafür ist aber das gesprochene Chinesisch in vieler Hinsicht einfacher zu lernen als etliche Fremdsprachen, durchaus nicht schwerer als etwa Spanisch oder Russisch. » top

2.Warum sollen moderne Europäer Chinesisch lernen?


Chinesisch ist schon seit Jahrtausenden die wichtigste Verkehrssprache im ostasiatischen Raum. Schon vor der Gründung der VR China wurde es 1947 eine Amtssprache der Vereinten Nationen. Inzwischen ist Chinesisch nicht mehr nur die Sprache mit den weltweit meisten muttersprachlichen Sprechern, sondern auch sowohl hinsichtlich Bruttoinlandsprodukt als auch Nutzung im World Wide Web nach Englisch die zweitwichtigste Sprache der Welt. Jeder, der China bereist oder mit Chinesen in Kontakt kommt, macht angesichts des Reichtums der chinesischen Kulturgüter die Erfahrung, wie begrenzt und relativ das abendländisch geprägte Wissensgut ist und daß sich zudem die chinesische Gesellschaft und Kultur letztlich nur dem erschließt, der die chinesische Sprache beherrscht. So bedeutsam die Förderung der europäischen Einigung auch sein mag, sie kann und darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß das bevorstehende 21. Jahrhundert maßgeblich von den Entwicklungen im asiatisch-pazifischen Raum geprägt sein wird. Gegenwärtig und in absehbarer Zukunft hat diese Region einen weltweit einzigartigen Wirtschaftsboom mit teils zweistelligen Wachstumsraten zu verzeichnen. Die Weltbank prognostiziert, daß China im Jahr 2020 die stärkste Wirtschaftsmacht auf dem Globus sein wird. Bis zur Jahrhundertwende wird eine „großchinesische Wirtschaftsgemeinschaft" heranwachsen, die nicht nur die heutige Volksrepublik China, Taiwan und Macao, sondern auch Singapur und die anderen chinesischen Enklaven in Südostasien einschließt. Allein die Fakten und Aussichten genügen, um jungen Europäern die Notwendigkeit einer intensiven Beschäftigung mit dem chinesischen Kulturraum plausibel zu machen. Nicht minder bedeutsam ist das Argument, daß die Auseinandersetzung mit einer der größten und ältesten, aber bei uns nach wie vor weitgehend unbekannten Weltzivilisationen vielleicht das beste Mittel ist, um engstirnigem Nationalismus und Eurozentrismus entgegenzuwirken. Chinesischlernen bedeutet also, zur Verständigung und zum Frieden in der stets enger zusammenrückenden Welt beizutragen.» top

3. Seit wann gibt es Chinesisch als Fremdsprache?


Wirklich ernst genommen wird Chinesisch als Fremdsprache eigentlich erst seit der Reform- und Öffnungspolitik der VR China ab 1979 - sowohl in China als auch bei uns. Zwar gab es schon in früheren Jahrhunderten westliche Chinaexperten, insbesondere Missionare, mit hervorragenden Sprachkenntnissen. Aber erst mit der Einrichtung sinologischer Lehrstühle an einzelnen Universitäten am Anfang des Jahrhunderts begann die reguläre wissenschaftliche Beschäftigung mit China und der chinesischen Sprache in Deutschland. Konzentrierte sich die Sinologie jedoch bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch nahezu ausschließlich auf die klassische Philologie, so begann sie sich ab den fünfziger Jahren - zunächst in der DDR, später auch in der Bundesrepublik - mancherorts dem China der Gegenwart zuzuwenden und bis in die siebziger Jahre in sehr bescheidenem Umfang die Ausbildung in moderner Sprache einzubeziehen. Ein breitgefächertes Unterrichtsangebot in Chinesisch inner- und außerhalb der sinologischen Institute entstand im deutschsprachigen Raum erst seit dem Beginn der achtziger Jahre. Ganz analog verlief die Entwicklung in China selbst, wo sich nach der politischen Öffnung die neue Fachdisziplin Chinesisch als Fremdsprache etabliert hat. » top

4. Wo kann man Chinesisch lernen?


Chinesischkurse gibt es in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz an knapp vierzig Universitäten und Hochschulen, im Rahmen von entweder sinologischen oder regional-, wirtschaftswissenschaftlichen und ergänzenden Studiengängen. Mit rasch steigender Tendenz wird 2006 an annähernd 100 Gymnasien in neun deutschen Bundesländern und an mehreren Schulen in Österreich und der Schweiz Chinesisch unterrichtet, meist noch in Form von Arbeitsgemeinschaften, an über 20 Schulen aber auch schon als etabliertes Fach, zum Teil mit Abiturprüfungsmöglichkeit.(Näheres dazu unter “Curricula”). Darüber hinaus bieten fast 100 Volkshochschulen und spezielle Einrichtungen Chinesischkurse teils in intensiver Form an (siehe “Institutionen”). In China, einschließlich Taiwan und Hongkong, führen über 300 Hochschulen ständig Chinesischkurse für Ausländer durch. Weltweit wird die Sprache an über 1000 Schulen in 60 Ländern gelernt. Seit 2006 werden in Deutschland außerdem in Kooperationsprojekten mit chinesischen Hochschulen und dem Bildungsministerium der VR China Konfuzius- Institute zur Förderung der chinesischen Sprache gegründet.» top

5. Wieviel Menschen lernen Chinesisch?


An den Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es etwa 5000 Chinesischstudierende, wobei sich die überwiegende Mehrzahl aus Studierenden der sinologischen und chinawissenschaftlichen Studiengänge rekrutiert. Einschließlich der Gymnasien, Volkshochschulen und sonstigen Kurse dürfte die Gesamtzahl der Chinesischlernenden im deutschsprachigen Raum gegenwärtig annähernd 10.000 betragen. Die Spitzenstellung in Europa nimmt Frankreich ein, wo es rund 10.000 Hochschulstudenten und über 200 Grund- und Sekundarschulen mit Chinesischunterricht geben soll. In Japan und Südkorea geht die Lernerzahl in die Millionen. In den USA bieten 2007 bereits 2000 High Schools Chinesisch an, und Chinesisch in all seinen Varietäten ist in den letzten Jahren nach Englisch und Spanisch die drittgrößte Sprache der USA geworden.» top

6. Wer kann die chinesische Sprache erlernen?


Das Image einer „exotischen" und „unerlernbaren" Sprache hat Chinesisch weitgehend abgelegt. Es ist eine Fremdsprache wie jede andere auch. Das bedeutet, daß grundsätzlich jeder die Fähigkeit besitzt, Chinesisch zu lernen, der auch in der Lage ist, sich Kenntnisse in Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch usw. anzueignen. Profunde Chinesischkenntnisse gelten keineswegs mehr als Privileg akademischer Außenseiter. Sie sind heutzutage lediglich ein alltäglicher Ausdruck der vielfältigen konventionalisierten Beziehungen zu China und seinen Menschen. Gleichwohl hat das Erlernen dieser Sprache nichts an Faszination eingebüßt, weil jeder Lernfortschritt bisher unbekannte Welten eröffnet.» top

7. Wie wird Chinesisch heute gelehrt und gelernt?


Die zügige Entwicklung einer auf wissenschaftlicher Forschung basierenden Didaktik des Chinesischen als Fremdsprache seit etwa zwei Jahrzehnten in China und in der übrigen Welt ermöglicht heute eine zielorientierte und systematische Ausbildung in chinesischer Sprache mit modernsten Methoden, Lehrmaterialien und Hilfsmitteln, wie sie auch für andere Fremdsprachen üblich sind. Die erfreuliche Bilanz der letzten Jahre besagt allerdings nicht, daß bereits überall ideale didaktisch-methodische Bedingungen vorherrschen. Die beständigen Fortschritte auf diesem Gebiet lassen jedoch schon bald weitere Verbesserungen für Lernende und Lehrende erwarten.» top

8. Welche Inhalte werden im Unterricht vermittelt?


Die bei weitem meisten Kurse zielen auf die Entwicklung aller vier Fertigkeiten, Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben, ab. In der Regel vergehen die ersten vier Wochen mit einer Einführung in die Aussprache, mit der sprachlichen Bewältigung von Alltagssituationen, mit dem Erlernen der Lateinumschrift Pinyin und mit einer Einführung in die Welt der Schriftzeichen. Die gesprochene Sprache bereitet allenfalls am Anfang wegen ihres ungewohnten Laut- und Tonalsystems größere Probleme, bringt aber dann aufgrund ihrer sehr einfachen Grammatikstruktur rasche Erfolgserlebnisse. So werden mancherorts auch Intensivkurse angeboten, in denen die Teilnehmer in wenigen Wochen bereits erstaunliche mündlich-kommunikative Fähigkeiten erwerben. Andererseits erfordert das Erlernen der chinesischen Schrift viel Zeit und Ausdauer. Im Gegensatz zur gesprochenen Sprache ist hier ein hoher Standard erst nach Jahren zu erreichen. Eine weitere Schwierigkeit besteht für den Lernanfänger darin, daß er sich - und das meist ohne jegliche Vorkenntnisse - in die historischen und soziokulturellen Hintergründe eines zunächst völlig fremden Kulturkreises einarbeiten muß, der Jahrtausende autonomer Entwicklung und weite geographische Räume umfaßt. Deshalb werden neuerdings vermehrt Spezialkurse mit eng umrissenen und daher in kürzerer Zeit erreichbaren Lernzielen, etwa zur modernen chinesischen Literatur, in Wirtschaftschinesisch oder mit dem Ausbildungsziel des Übersetzers oder Dolmetschers, eingerichtet. Mehr als für die meisten anderen Fremdsprachen gilt also beim Chinesischen der Grundsatz, daß der Erwerb von sprachlichen Fähigkeiten nur im kulturwissenschaftlichen Kontext möglich ist und daß gute Chinesischkenntnisse auch ein tiefgehendes Verständnis der chinesischen Gesellschaft und Kultur bedingen. » top


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