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BERICHT ZUR III. TAGUNG


"MODERNER CHINESISCHUNTERRICHT"

Nach früheren derartigen Veranstaltungen in Berlin (1979) und Germersheim (1983) fand vom 18. bis 21. November 1984 in Willebadessen bei Paderborn die III. Tagung "Moderner Chinesischunterricht" statt. Die Dortmunder Rheinisch-Westfälische Auslandsgesellschaft e.V. stellte im Rahmen ihres China-Seminarprogramms ihre landschaftlich reizvoll gelegene Internationale Bildungsstätte Willebadessen dafür zur Verfügung. Die Tagung, die unter dem Motto "Chinesischunterricht in der Praxis" stand, wurde von der 1983 in Germersheim gegründeten und vor kurzem als e.V. konstituierten "Arbeitsgemeinscnaft zur Förderung des Chinesischunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland (AFCh)" vorbereitet und durchgeführt. 51 Vertreter von Universitäten, Volkshochschulen, Gymnasien und anderen Institutionen, die Chinesischkurse anbieten, folgten der Einladung. Die Präsenz zweier Fachkollegen aus der VR China, des Vizepräsidenten der Sprachenhochschule Beijing (Beijing Yuyan Xueyuan), Herrn Zhou Bingqi, und des Vorstandsvertreters der chinesischen "Forschungsgesellschaft für Chinesisch als Fremdsprache (FChF)" (Duiwai Hanyu Jiaoxue Yanjiuhui) sowie Dekans der 1. Fakultät für Ausländische Studierende der Sprachenhochschule Beijing, Herrn Cheng Tang, konkretisierte die bereits 1983 aufgenommenen Verbindungen der AFCh mit der chinesischen Partnerorganisation und ihrer zentralen Institution. Lü Bisong, Präsident der Sprachenhochschule und Vorsitzender der FChF, war selbst an der Teilnahme verhindert, ließ aber eine Grußadresse an die Tagung übermitteln. Von anderen chinesischen Hochschulen, die z.T. die Aktivitäten der AFCh mit großem Interesse verfolgen, trafen ebenfalls Glückwunschtelegramme und -briefe ein. Den verschiedenen Sitzungen wohnten zeitweise auch Pressevertreter bei.

Ein wesentliches Merkmal dieser Tagung war sowohl die persönliche Begegnung und der intensive Erfahrungsaustausch einerseits unter den Lehrenden, andererseit unter den Lernenden der chinesischen Sprache als auch der erstmalige Versuch eines Dialogs zwischen beiden Interessengruppen. Dabei wurde deutlich, daß diese bisher praktisch nicht vorhandene Möglichkeit der institutionsübergreifenden Kommunikation des Informationsaustausches und der Zusammenarbeit eine Grundvoraussetzung für die Verbesserung der Unterrichtssituation auf allen Ebenen darstellt. Vielfältige Kontakte dieser Art wurden bereits am ersten Abend, nach der Eröffnung der Tagung durch Anton Lachner, Dozent am Sinicum in Bochum und Organisator der Tagung, sowie in den folgenden Tagen geknüpft. Sie führten u.a. zur Bildung von permanenten Arbeitsgruppen und von Beiräten innerhalb der AFCh, die am Rande der Tagung ihr erste ordentliche Mitgliederversammlung durchführte.

Erfahrungen und Beispiele aus der Lehr- und Lernpraxis standen am folgenden Tag im Mittelpunkt der teils mit Video-Demonstrationen begleiteten Referate von K Stermann (Berlin), Wang Shouchun (Tübingen), Prof. Dr. Wolfgang Lippert (Erlanegn), Prof. Dr. Chiao Wei (Trier, verlesen von Dorothea Wippermann), Heinz Riedlinger (Bonn), Anton Lachner (Bochum), Bo Yixian (Bochum), Prof. Dr. Friedhelm Denninghaus (Bochum) und Dr. Peter Kupfer (Germersheim). Am dritten Tag wurden Fragen der Zielsetzung, Methodik, Motivation, curricularen Kursgestaltung, Lehrerfortbildung, der Beschaffung und Erstellung geeigneter Lehrmaterialien sowie des Einsatzes neuer Medien in zeitweise drei verschiedenen Gesprächskreisen (Studierende, Lehrer an Volkshochschulen und Gymnasien, Lehrer an Universitäten) und im anschließenden Plenum diskutiert. Angesichts der knappen zur Verfügung stehenden Zeit waren befriedigende Lösungen der meisten Probleme nicht zu erwarten. Die Teilnehmer waren sich aber darin einig, daß die künftige Entwicklung des Chinesischunterrichts in der Bundesrepublik diesem neu geschaffenen Podium entscheidende Impulse verdanken wird.

Der Nachmittag und Abend des 20. November wurde einem Schwerpunktthema dieser Tagung gewidmet: der Eingliederung des Chinesischen in den Fremdsprachenunterricht an Gymnasien und die damit verbundenen spezifischen Erfahrungen und Probleme. Von den 11 bisher bekannten Gymnasien in verschiedenen Bundesländern, an denen Chinesisch gelehrt wird, war eine Reihe von Vertretern eigens angereist. Über die administrativen und organisatorischen Maßnahmen an zwei Bochumer Gymnasien sprachen Prof. Dr. Konrad Wegmann und Oberstudiendirektor Jäger. Anschauliche und kritische Erfahrungsberichte lieferten Dr. Wolf Baus und Anton Lachner (Bochum), Hans-Christoph Raab (Würzburg/Marktbreit), Marianne Altmeyer (Saarbrücken) und Peter Wittke (Soest). Erfreulicherweise wurde während der Tagung bekannt, daß die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in Bonn diese neue Entwicklung des Chinesischunterrichts an unseren Gymnasien nicht nur mit Interesse verfolgt, sondern bereits einen entsprechenden Bericht im Entwurf fertiggestellt hat, der demnächst verabschiedet wird. Am Bochumer Seminar für Sprachlehrforschung ist überdies ein Versuch geplant, Lehramtsanwärter der Sekundarstufe 11 in der chinesischen Sprache auszubilden. Die AFCh macht es sich zur Aufgabe, Richtlinien zu erarbeiten und speziell erforderliche Lehrmaterialien verfügbar zu machen.

In der letzten Sitzung am Mittwochvormittag wurden künftige Aktivitäten diskutiert und arbeitsteilig festgelegt. Die nächste Tagung ist für Ende l985 oder Anfang 1986 geplant. Den abschließenden Höhepunkt bildete die Unterzeichnung eines Memorandums zur Kooperation zwischen der AFCh und ihrer chinesischen Partnerorganisation FChF sowie der Sprachenhochschule Beijing, vertreten durch die beiden Gäste aus der VR China, die der AFCh als einleitende Maßnahme des geplanten Austausches die neuesten dort veröffentlichten Chinesisch-Lehrmaterialien als Geschenk überreichten. Diese formelle Übereinkunft sowie die Teilnahme der beiden Herren Zhou und Cheng an der diesjährigen Tagung werden von beiden Seiten als erster bedeutsamer Schritt für die künftige deutsch-chinesische Zusammenarbeit auf dem neuen Fachgebiet Chinesisch als Fremdsprache gewertet. Herr Zhou und Herr Cheng wurden von der AFCh als Ehrenmitglieder aufgenommen.

Abgesehen von vielseitigen Begegnungen und Gesprächen während der Tagung hatten die beiden chinesischen Besucher Gelegenheit, sich zwischen dem 11.11. und 23.11.84 auf Reisen nach Germersheim, Mainz, Heidelberg, Berlin, Göttingen, Bochum und Bonn umfassend über den Chinesischunterricht und die moderne Fremdsprachendidaktik zu informieren. Der Delegationsbesuch erfolgte auf Einladung der AFCh und wurde, trotz fehlender Fördermittel auf deutscher Seite, durch den finanziellen und organisatorischen Beitrag der Sprachenhochschule selbst, der einzelnen AFCh-Mitglieder und sonstiger privater Initiativen ermöglicht. Die AFCh plant, anläßlich des von der FChF und der Sprachenhochschule Beijing veranstalteten "Ersten Internationalen Symposiums für Chinesisch als Fremdsprache" im Sommer 1985 eine Delegation in die VR China zu entsenden.

Die Referate und Berichte dieser Tagung werden größtenteils in den nächsten Ausgaben der Zeitschrift CHINESISCHUNTERRICHT (CHUN) veröffentlicht. Weitere Informationen und das Tagungsprogramm sind bei der AFCh, Postfach 120, 76726 Germersheim, erhältlich.

Germersheim/Bochum, den 3.12.84

Dr. Peter Kupfer
(1. Vorsitzender der AFCh)

Anton Lachner
(2. Vorsitzender der AFCh)